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Schiedmayer Konzertflügel Baujahr 1865
Die Mechanik wurde im Jahr 2001 in unserer Werkstatt restauriert.

Der Schiedmayer Flügel steht auf der Burg Guttenberg in Neckarmühlbach über dem Neckar. Der Konzertflügel ist schon immer in Familienbesitz der von Gemmingens. Wahrscheinlich hatte der Flügel auch immer den gleichen Standort im Salon der Burg. Die Familie von Gemmingen - Guttenberg veranstaltet jährlich viele Konzerte auf diesem Konzertflügel, mit ganz unterschiedlichen Besetzungen. Die Konzerte sind in sehr intimer Atmosphäre und von höchstem künstlerischem Niveau. Die Gemmingens pflegen diese Tradition schon sehr lange und bereichern dadurch das klassische Konzertangebot unserer Region.

Für die Pianisten der Burgkonzerte bedeutet das Musizieren auf dem alten Konzertflügel immer eine große Herausforderung. Die Spielart unterscheidet sich wesentlich von der Spielart eines modernen Konzertflügels. Der Flügel hat eine englische Mechanik, diese hat eine relativ schwerere Spielart. Das Spielgewicht steigt zum Bass hin um ca. 50 % des Diskantspielgewichtes an. Die Spieltiefe liegt bei 6 mm und ist wesentlich geringer als die Spieltiefe eines modernen Instrumentes. Die Mechanik ist keine Doppelrepetitionsmechanik, eine optimale Repetition erreicht man durch eine perkussive Spieltechnik. Die Klangfarben unterscheiden sich auch deutlich von einem modernen Instrument. Die Dynamik des Instrumentes ist schon fast wie bei modernen Flügeln. Lediglich die Diskanttöne sind nicht in der Lage so lange zu schwingen, wie bei modernen Instrumenten. Die Entwicklung von tragenden Diskantsystemen ist erst in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts eingetreten. Steinway & Sons entwickelten die Duplex Skala und Blüthner erfand parallel dazu das Aliquot-System.

Für den Zuhörer ist es immer wieder erstaunlich festzustellen, wie es manchen Pianisten gelingt, die Seele des Instrumentes zu entdecken und ihm seine große und vielseitige Klangfarbenpalette zu entlocken. Die Pianisten, die sich auf den Schiedmayer einlassen, sind in der Lage, ihm faszinierende Musik zu entlocken. Der Flügeltyp ist keineswegs mit Flügeln aus der Mozartzeit zu vergleichen. Die frühen Wiener Flügel haben eher eine leichte Spielart, durch wesentlich kleinere Hammerköpfe und viel weicheres Saitenmaterial.

Das 19. Jahrhundert setzt für den Klavierrestaurator ein großes Fachwissen voraus. Es gibt extrem viele Systemänderungen. Doch alle Zeitabschnitte und Konstruktion bilden auch Ihren eigenen Reiz. Die Restaurierung solcher Instrumente bietet dem Klavierbauer eine große Herausforderung. Mit jeder weiteren Restauration sind neue Dinge zu erforschen.

Wir haben die Mechanik des Schiedmayers überarbeitet. Die Hammerköpfe in Gewicht und Form nach Vorbild des Originales erneuert. Die alten Hammerköpfe wurden zu Forschungszwecken erhalten. Die Mechanik und Klaviatur wurden reguliert und die Hammerköpfe intoniert. Die Dämpfung ist noch die alte. Die Saiten sind im Bass noch größtenteils original. Im Diskant und der Mittellage, glaube wir, dass die Saiten erneuert wurden. Die Stimmwirbel des Instrumentes sind mit Sicherheit nicht mehr im Originalzustand. Der Stimmstock scheint rissfrei zu sein, der Stimmwirbelgang ist zwar sehr leicht, aber relativ gleichmäßig. Der Resonanzboden hat 6 Haarrisse mit der Holzfaser des Resonanzbodens. Die Resonanzbodenberippung ist noch durchgehend fest. Der Boden hat noch Wölbung. Stegdruck, welchen die Saiten auf den Steg ausüben, ist in allen Tonlagen vorhanden. Seit der Reparatur im Jahr 2001 obliegt uns die Betreuung des wertvollen Instrumentes.