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Boisselot Flügel Baujahr: wahrscheinlich 1836
Das Instrument wurde 1996 in unserer Werkstatt restauriert.

Auf dem Instrument steht zwar die Aufschrift Schellenberg aber unsere Nachforschungen haben ergeben, dass die Schellenbergs nur Pianohändler in Wiesbaden waren und keine Pianoforte Manufaktur betrieben. Die Nachforschungen des Besitzers haben ergeben, dass das Instrument höchst wahrscheinlich von der Firma Boissellot & Sons in Marseille gebaut worden ist. Die Firma ist 1830 gegründet worden.

Wenn man sich Bilder vom 1. Steinwegflügel, von Heinrich Steinweg, gebaut in Seesen betrachtet, ist das Design der Instrumente fast zum Verwechseln ähnlich.

Der Boisselot Flügel wurde irgendwann im 20. Jahrhundert kaputt restauriert. Sie fragen sich jetzt vielleicht wie das gehen soll? Wir beantworten es Ihnen:

Der Flügel wurde mit modernen Klaviersaiten ( Federstahl ) besaitet und hat dadurch eine viel zu hohe Zugkraft erhalten. Der Stimmstock hat sich infolge der überhöhten statischen Anforderungen total in sich verdreht. Die Saiten haben in keiner Stimmlage Druck auf den Steg ausgeübt. Der verdrehte Stimmstock hat in der Mitte des Stimmstockes auf den Mechanikbalken der Mechanik gedrückt. Der Resonanzboden des Instrumentes war erstaunlicher Weise in sehr gutem Zustand. Es waren 5 Haarrisse mit der Faser des Holzes vorhanden, die Berippung des Bodens war durchgehend fest, der Resonanzboden hatte noch eine Wölbung von 6 mm. Wenn man bedenkt, dass der Boden ca. 170 Jahre alt ist, wird einem bewusst in welch hoher Qualität das Instrument verarbeitet wurde.

Bei der Reparatur haben wir einen neuen Stimmstock angefertigt und diesen statisch durch eine Stahlkonstruktion so verstärkt, dass eine Deformierung des Stimmstocks ausgeschlossen ist. Die Konstruktion ist äußerlich nicht sichtbar. Die neuen Gehäuseteile haben wir mit dem alten Furnier überleimt.

Der Resonanzboden wurde klimatisiert und danach ausgespänt und neu lackiert. Der Stimmstocksteg wurde neu angefertigt. Die Besaitung wurde neu berechnet und mitsamt den Stimmnägeln erneuert. Als Saitenmaterial haben wir weichere Saiten als die modernen Klaviersaiten verwendet, dadurch erhielt der Boisselot nicht mehr so hohe Zugkräfte. Weichere Saiten lassen mehr Obertonschwingungen zu.
Die Dämpfung wurde neu befilzt, die Dämpferführungen erneuert.
Die Klaviatur musste gereinigt und reguliert werden. Die Elfenbein- und Ebenholzbeläge wurden poliert. Teilweise mussten die Tastenböden ausgeleimt werden.
Die Hammerköpfe wurden nach Vorbild des Originals in Gewicht und Form erneuert.
Sämtliche Mechanikfilze und Leder sind nach Vorbild des Originals erneuert worden. Mechanik, Klaviatur und Dämpfung wurde neu eingepasst und reguliert.

Das Gehäuse wurde nur aufpoliert und die Schäden ausgebessert.

Der Flügel hat Stimmtonhöhe a1 440 Hz. Der Klang ist ausgewogen und im Bass und der Mittellage wesentlich obertonreicher wie man es bei modernen Instrumenten kennt. Die Dynamik von Laut bis Leise ist natürlich nur etwa 50 % des modernen Instrumentes. Der Flügel eignet sich hervorragend für Kammermusik und Liedbegleitung.